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Mein ganz persönlicher Weg in die Leipziger Startupszene

„Du kannst alles schaffen, du musst es nur wirklich wollen!“ – Bei meiner ersten Begegnung mit  Leipziger Startups wollte ich eins ganz sicher nicht: mich irgendwann mal selbständig machen. Viel zu anstrengend! Viel zu riskant! Doch es sollte anders kommen.

Leipzig im Jahr 2007. Es gab Startups. Und ich war auch schon da. Von einer echten „Startupszene“ konnte aber noch keine Rede sein. Dass ich schon in dieser Zeit begann, als Studentin für Startup-Firmen wie Spreadshirt und Unister zu arbeiten, kam quasi einem Zufall gleich: Mein BAföG war klein und hier gab es Jobs. Während ich bunt bedruckte T-Shirts in Kartons stapelte oder Texte für Urlaubsportale schrieb, träumte ich davon, als Kulturjounalistin Theatervorstellungen zu kritisieren oder als Bibliothekarin mit Flüchtlingskindern Bilderbücher anzuschauen. Wohin die Reise wirklich gehen sollte, war mir damals noch nicht klar.

Viele Träume und Ideen, aber noch kein Plan.

Fünf Jahre später, an einem sonnigen Septembertag in Magdeburg, sollte sich das ändern. Mit der Zusage für ein Aufbaustudium in der Tasche ging ich auf Wohnungssuche und lernte dabei meinen Exfreund Martin kennen. Er ist Geschäftsführer der Kreativagentur LIQE und brachte mir in den folgenden Monaten alles bei, was ich wissen musste, um neben meinen Seminaren erste Text- und Fotoaufträge anzunehmen. Dennoch war das Ganze eher als Nebenjob oder Übergangslösung geplant. Dass ich später bequem davon leben würde, hätte ich niemals zu träumen gewagt.

Parallel arbeitete ich an der Uni Magdeburg für ein Gründerprojekt im technischen Bereich. Eine meiner wichtigsten Aufgaben war es, erfolgreiche Unternehmer als Mentoren für den Nachwuchs zu finden. Meine Suche verschlug mich wieder nach Leipzig, und zwar zu dem Mann, der für viele Gründungswillige bis heute zu den ersten Anlaufstellen gehört: Gründercoach Sören Frost.

Bei unserem ersten Treffen gab Sören nicht nur seine abenteuerliche Lebens- und Unternehmergeschichte zum Besten, sondern lud mich zu seinem kürzlich ins Leben gerufenen Gründerfrühstück ein. Ich ließ mich nicht zweimal bitten. Meine Studienfinanzierung lief gerade aus und ich brauchte Arbeit.

Die Leipziger Startupszene ist der Künstler- und Kreativszene eng verbunden. Ausstellungen, hier z.B. der Artwalk im Park, können auch nützliche Networking-Events sein.

Nach meinem ersten Gründerfrühstück im Herbst 2013 nahm meine persönliche Lovestory mit der Startupszene Leipzig schließlich ihren Lauf. Ich lernte im Gründerumfeld meine ersten festen Auftraggeber wie z.B. den Grafik-Designer Daniel Reiche kennen und musste mir schon nach wenigen Monaten keine Sorgen mehr um mein Einkommen machen. Immer mehr Anfragen flatterten bei mir ein. Gleichzeitig wurde die Startupszene immer bunter und lebendiger. Mein Netzwerk wuchs. Aus vielen Kunden wurden Freunde. Durch das Hochschulgründernetzwerk Smile, das Amt für Wirtschaftsförderung und die Industrie- und Handelskammer gab es auch von öffentlicher Seite Unterstützung. Wir trafen uns zum Gründerstammtisch im Plan B und gemeinsam mit den Gründern der VisionBakery, Signuu, Spirit Legal, *betourt und Founderscope half ich, ein jährliches Startup Weekend in Leipzig zu organisieren. Ich führte für das Magazin Junge Gründer Interviews mit Leipziger Startups wie Food.de, Flyt.club oder ekoio und nahm bei Events und Terminen immer öfter meine Kamera mit.

Seit 2014 eines der wichtigsten Gründer-Events in Leipzig: das Startup Weekend.

Mit dem SpinLab Accelerator der HHL, dem Social Impact Lab und dem Basislager Coworking erhielt die lokale Startupszene in den vergangenen drei Jahren nochmal einen besonderen Schub. Die Mischung aus Coworking Space, Veranstaltungsort und ideeller Förderung hat zumindest aus meiner Sicht wesentlich dazu beigetragen, dass die Startupszene Leipzig so zusammengewachsen ist und heute viele junge Gründer optimistisch in die Zukunft blicken. Veranstaltungen wie die FuckupNight und die Startup Safary, die Accelerate Konferenz oder Vorträge rund um soziale Themen und Gründung gehören inzwischen zu den festen Punkten im jährlichen Programm für Gründer und Unternehmer. Einige der innovativsten Startup-Produkte aus Leipzig gibt es aktuell zudem im STARTER SPACE in den Höfen am Brühl zu bestaunen. Der Popup Store soll als Gemeinschaftsprojekt von Basislager Coworking und whateverworks – studio für medien und design dabei helfen, die Gründerszene noch stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. In unserem startklar-Blog habe ich euch einige der dort vertretenen Unternehmen vorgestellt, darunter z.B. binee, Lifetree, Hikari Bike und Lighttaker.

Das Social Impact Lab im Szenestadtteil Plagwitz ist der perfekte Anlaufpunkt für alle, die ein sozial ausgerichtetes Startup gründen wollen.

Da ich erst kürzlich erfahren habe, dass in Deutschland nur 13 Prozent der Startup-Gründer weiblich sind, freue ich mich besonders,  dass das Startup-Umfeld in Leipzig auch viele erfolgreiche Frauen hervorgebracht hat. Habt ihr z.B. gesehen, dass unsere Startup Weekend Alumni von We are Kal auf der Forbes-Liste „30 under 30“ für innovative Unternehmen gelandet sind oder das Team von Laviu  seine Pläne verwirklicht und im Herbst 2017 tatsächlich das erste lautlos pulsierende Sextoy herausbringt? Auch die Gründerinnen von Wundercurves, einem Portal für große Größen, sorgen mit ihrem Erfolg gerade ordentlich für Gesprächsstoff. Es bleibt auf jeden Fall spannend! Mit den Digital Media Women gibt es außerdem seit Kurzem ein Netzwerk, in dem gerade wir kreativen Frauen uns zusätzlich austauschen und gegenseitig unterstützen können.

Diese Ladies machen alle „irgendwas mit Medien“ und finden genau wie ich, dass wir Frauen uns in Leipzig stärker vernetzen sollten.

Was mir bis heute an unserer Startupszene in Leipzig am meisten gefällt? Dass sie so vielfältig und freundlich und vor allem unprätentiös ist. Hier gibt es nichts, das ich „unbedingt wollen“ oder darstellen muss. Es genügte von Beginn an, einfach offen und präsent zu sein, um mein eigenes Business voranzubringen. Na gut, ein bisschen Talent, Hingabe und Disziplin waren auf jeden Fall auch mit im Spiel. Und natürlich die Tatsache, dass einfach jedes Unternehmen heute auf gute Texte und Bilder angewiesen ist. Mein persönlicher Erfolg bemisst sich dabei sicher nicht in enormen Umsätzen oder Mitarbeitern. Wohl aber in einer Lebensqualität und einer Leichtigkeit, die es in dieser Form für junge, selbständige Menschen sicher nur in wenigen Städten gibt. Aber das ist nur meine Geschichte und eine von vielen. Wir freuen uns auf eure!

Den STARTER SPACE findet Ihr im ersten OG auf der Ostseite der Höfe am Brühl.

In der nächsten Woche gibt es an dieser Stelle wieder ein Startup-Interview. Bis dahin besucht uns doch einfach mal im STARTER SPACE in den Höfen am Brühl und verschafft euch einen eigenen Eindruck von der Leipziger Startupszene.

Ich danke Kiss & Tell, Spirit Legal, activeART sowie Ketchum Pleon und dem Team der Kampagne „So geht Sächsisch“ für die Nutzungsfreigabe der von mir aufgenommenen Fotos in diesem Artikel.

 

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