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Accessoires aus dem Meer

Wie Annekatrin Döll aus Abfällen der isländischen Fischerei angesagte Luxus-Taschen kreiert

Morgens halb 9 in Leipzig. Annekatrin Döll vom Design Label Rothöll und ich sind noch ein bisschen verschlafen, als wir uns an den Höfen am Brühl treffen. Für unser Interview werden wir heute gemeinsam das Dach des Shopping-Centers erklimmen. Mit Kamera und Kaffee geht es erst viele Treppen und dann eine schmale Leiter hinauf. Unter strahlend blauem Morgenhimmel zeigt mir Annekatrin ihre selbst designten Handtaschen. Ob in dezentem Schwarz und Grau oder in leuchtendem Türkis – dass die Handtaschen von Rothöll aus einem ganz besonderen Material geschaffen sind, sieht man erst auf den zweiten Blick. Tatsächlich handelt es sich bei dem Stoff, der sich so weich in meiner Hand anfühlt und trotzdem ganz stabil sein soll, um Fischleder aus Island. Eigentlich ein Abfallprodukt. Im zweiten Leben ein schicker Designartikel, der seit Kurzem sogar im STARTER SPACE Popup Store in den Höfen am Brühl erhältlich ist.

Handtaschen aus Fischleder!

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du auf diese ungewöhnliche Idee gekommen bist?

Ich liebe das Meer. Es zieht mich immer wieder dorthin. Es erzeugt Sehnsucht und Ehrfurcht in mir. Ganz besonders habe ich das Meer in seiner Stärke und Tiefe auf Island empfunden. Ich habe dort ein Jahr meines Studiums verbracht, um Neues zu entdecken und Inspiration einzuholen. In dem Ort, wo ich wohnte, gibt es eine Fischlederfabrik und Gerberei. Da mich Oberflächen und Materialien faszinieren, bin ich dort ein- und ausgegangen. Immer wieder habe ich mir dabei kleine Reste mitgenommen und probeweise vernäht. Aus den anfänglichen Experimenten ist später in Deutschland ein ernstzunehmendes Geschäft geworden. Meine ersten Taschen wurden in einem Dresdener Laden für Abendmode verkauft und sind tatsächlich gleich richtig gut angekommen.

Trotz aller Begeisterung gibt es doch sicher Menschen, die beim Gedanken an Fischleder erst einmal die Nase rümpfen. Wie nimmst du ihnen den Wind aus den Segeln?

Mit Rothöll steht für mich die ganzheitliche Verwertung im Mittelpunkt. Auch bei anderen Lederprodukten werden Tiere getötet. Das Fleisch wird verwertet, die Haut bleibt übrig. Anstatt sie wegzuwerfen, nutzen wir sie. Mir ist die Verwandlung von „Abfall“ in ein hochwertiges, sehr beständiges Material, das zusätzlich Ästhetik ausdrückt, viel lieber als auf chemische Weise ein Kunstleder herzustellen. Dieses Kunstleder belastet unsere Umwelt mehr, als wenn ich einfach ein Restprodukt nutze und dieses traditionell, ohne chemische Mittel, bearbeite und in einen neuen Kreislauf bringen kann.

Kann ich die Taschen kaufen?

Wie kam es dazu, dass du deine Taschen jetzt im Leipziger STARTER SPACE verkaufst?

Ich habe im Basislager Coworking ein Plakat vom STARTER SPACE gesehen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass meine Accessoires eine schöne Ergänzung zu den Startup-Produkten im Laden sein könnten. Im Moment gibt es von Rothöll im STARTER SPACE Handtaschen, Portemonnaies und Stifte-Etuis, vorwiegend aus Lachshaut und in verschiedenen Farben.

Was haben die Menschen gemeinsam, die deine Produkte lieben?

Die meisten meiner Kundinnen sind selbstbewusste Frauen im Alter zwischen 30 und 60, die wissen, was sie wollen und was sie können. Sie leisten sich gern schöne Sachen und legen Wert darauf, dass diese gleichzeitig haltbar sind. Die Kunden kaufen bei mir nicht nur eine Tasche. Sie kaufen auch ein Stück mich mit. Sie kaufen Qualität, Kunsthandwerk und Nachhaltigkeit. Und Sie kaufen sich ein kleines Stückchen Island.

Schon eine verrückte Idee, findet ein Freund, dem ich einige Stunden später von Annekatrins Fischleder-Taschen berichte. Eigentlich nicht, antworte ich, schließlich nutzen wir doch jeden Tag Produkte aus Leder. Meine Schuhe zum Beispiel, die sind doch auch aus „Kuhhaut“ und das findet auch niemand komisch. Es scheint mir ein wenig, als hätten wir da eine Schranke im Kopf. Fischleder befremdet uns, aber das sollte es eigentlich nicht. Zumindest nicht mehr als andere tierische Produkte.

Ihr möchtet euch eine eigene Meinung bilden? Dann habt ihr am Donnerstag, 13.04.2017 die Möglichkeit, Annekatrin ab 19:00 Uhr im STARTER SPACE in den Höfen am Brühl persönlich zu treffen. Bei Weißwein und isländischem Schnaps berichtet sie von ihrer Islandzeit und stellt ihre Kreationen vor.

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aschwerin

6 Kommentare

  1. Lothar F. Liedtke

    Glückwunsch für diese gute Idee, auch wenn diese auch nicht ganz neu ist.
    Ich lebe in Peru, hier wird schon seit langem aus verschiedenen Fischhäuten entsprechendes Leder produziert und in alle Welt exportiert. Wenn Interesse besteht kann ich sicher bei der Beschaffung anderer Arten von Fischleder behilflich sein.

  2. Vitamin B für Startups › Startklar

    […] Mentoren, Investoren und natürlich Kunden eigentlich am besten kennen? Nachdem ich euch mit Rothöll, Pappenheimer und Lifetree bereits einige junge Leipziger Unternehmer präsentiert habe, nehme ich […]

  3. Thea

    Fischleder wird ohne chemische Mittel hergestellt und gefärbt? Das wäre mir neu, aber ich habe auch noch keine Fischlederfabrik von Innen gesehen.

    Auf jeden Fall bieten Fischlederprodukte eine gute Alternative zu Taschen und Anderem aus Reptilienleder, wo die Herkunft oft sehr viel problematischer ist.

  4. Virginia García Díaz

    Congratulations Annekatrin, I watched your brand by euromaxx program, I would like to know if is posible your adress to buy a bag, I´ writing from canary islands. My name is Virginia Garcia. I would like to apologise because I don´t speak german, only spanish and english.

  5. finn

    Accessoires aus dem Meer sind echt authentisch! Meinen Dank für die nette Anregung zum Geschenk für mein Schätzchen! Mit scheint, dass die neutrale Farbe davon zu jedem Kleid gut passen kann. Ist das echtes Leder?

    • René Schröter

      Ach Finn, ich weiß das du sicherlich lediglich Werbung für (d)eine Gerberei in Österreich machen wolltest. Aber dann lies dir doch den Artikel wenigstens halbwegs intensiv durch:

      Tatsächlich handelt es sich bei dem Stoff, der sich so weich in meiner Hand anfühlt und trotzdem ganz stabil sein soll, um Fischleder aus Island.

      Und:

      Auch bei anderen Lederprodukten werden Tiere getötet. Das Fleisch wird verwertet, die Haut bleibt übrig. Anstatt sie wegzuwerfen, nutzen wir sie. Mir ist die Verwandlung von „Abfall“ in ein hochwertiges, sehr beständiges Material, das zusätzlich Ästhetik ausdrückt, viel lieber als auf chemische Weise ein Kunstleder herzustellen.

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